Martin Schultze 11.11.2022 -9391

Neuer DHB Sportdirektor

Der neue Sportdirektor Martin Schultze im Interview

16. November 2022

Seit dem 25. Oktober ist Martin Schultze neuer Sportdirektor des Deutschen Hockey-Bundes. Schultze ist in Hockey-Deutschland ein bekanntes Gesicht und bringt einiges an Hockey-Erfahrung in seinen neuen Job mit. Im Interview berichtet der 50-Jährige von seinen ersten Wochen als frisch gebackener DHB-Sportchef und welche Herausforderungen auf ihn und den Verband zukommen werden.

Du bist seit dem 25. Oktober neuer Sportdirektor beim DHB. Wie war der Einstieg in deinen neuen Job?
Gestartet bin ich mit den FIH Pro League Spielen der Danas und Honamas in Argentinien. Der Onboarding-Prozess hat bereits Mitte September begonnen, sodass ich schon ganz gut im Geschehen bin. Die Einarbeitung mit Dr. Christoph Menke-Salz und Niclas Thiel hat hervorragend funktioniert und es fühlt sich so an, als wäre ich schon länger als erst seit dem 25. Oktober im Amt.

Was macht der Sportdirektor des DHB Tag täglich?
Formal bin ich Verantwortlicher für den Leistungssport im DHB. Der Position des Sportdirektors sind aktuell sehr viele Bereiche zugeordnet, wie z.B. auch Bildung und Sportentwicklung. Zudem bin ich zuständig für die Kommunikation zum DOSB und zum BMI, was sehr wichtig ist, da der DHB über den DOSB und das BMI Fördermittel erhält. Die Arbeit ist sehr umfangreich.

Du warst als Hockey-Trainer in der Vergangenheit sehr erfolgreich, hast die EHL gewonnen und beim Bremer HC einiges bewegt. Inwiefern hilft Dir diese Trainererfahrung jetzt in der Position als Sportdirektor des DHB?
Es hilft mir bestimmt bei einigen Entscheidungen, in denen ich sagen muss, ob das jetzt wirklich notwendig ist. Ansonsten ist die sportliche Einschätzung Aufgabe der Bundestrainer und ich sorge dafür, dass die bestmöglichen Bedingungen dafür gegeben sind.

Wie schätzt du die Situation des DHBs momentan ein?
Insgesamt sind der DHB und ich gleich zu Anfang vor mehrere Herausforderungen gestellt worden. Das betraf besonders die Jahresendplanung und die damit verbundene Vorbereitung der Honamas auf die Weltmeisterschaft im Januar 2023 in Indien. Diese und weitere Themen bereiten bei der Erstellung des Etats für 2023 große Probleme, die uns vor eine große Herausforderung stellen.

Im Jahr 2021 wurde der Leistungssport Zuschuss der öffentlichen Hand deutlich heruntergestuft, um gut -20 Prozent.

Martin Schultze, Sportdirektor DHB

Worin liegt diese Herausforderung und wie möchtest Du sie angehen?
Im Jahr 2021 wurde der Leistungssport Zuschuss der öffentlichen Hand deutlich heruntergestuft, um gut -20 Prozent. Gleichzeitig haben wir im Jahr 2023 aber sehr viele Maßnahmen mit großem Reiseaufwand, wie die Weltmeisterschaft in Indien, ProLeague Spiele wieder in Indien und Sydney oder die U21-WM in Kuala Lumpur und Chile. Hierbei ist und wird es sehr schwer den Ansprüchen der Bundestrainer für optimale Bedingungen gerecht zu werden, denn es mangelt an Geld. Vonseiten des DOSB und des BMI wird es keine weiteren Gelder geben, deshalb ist ein möglicher Lösungsweg, weitere Sponsoren zu finden. Ein weiterer Lösungsansatz ist es, mehr Menschen in den Hockeysport einzubinden, die uns mit Spenden unterstützen und so den Leistungssport aufrechterhalten.

Was passiert, wenn der DHB nicht genug Geldgeber findet?
Ich kann mein Budget nicht überziehen. Die Bundestrainer hatten für eine optimale sportliche Jahresplanung zwar realistische, aber auch viel zu hohe Bedarfsansprüche. In vielen Sitzungen haben wir uns auf ein deutlich reduziertes Budget einigen müssen. Hierbei besteht aber immer noch ein Delta von 400.000 Euro, das wir unter anderem durch Spenden und Sponsoreneinnahmen ausgleichen müssen. Das stellt eine riesige Herausforderung dar, wird aber absolut notwendig sein, wenn wir sportlich unsere Ansprüche nicht zurückschrauben wollen. Ich bin ein positiver Mensch und denke, dass wir das schaffen werden und zeitnah die nächsten Schritte dafür machen.
 

Wir müssen das Delta durch Spenden und Sponsoreneinnahmen ausgleichen. Das stellt eine riesige Herausforderung dar, wird aber absolut notwendig sein, wenn wir sportlich unsere Ansprüche nicht zurückschrauben wollen

Martin Schultze, Sportdirektor DHB

Wie groß ist deine Vorfreude auf die großen anstehenden internationalen Turniere (Hallen-EM 22 in Hamburg, Feld-WM 23 in Indien, Feld-EM 23 in Mönchengladbach)?
Die Hallen-EM in Hamburg wird Ende des Jahres, glaube ich, ein echter Stimmungskracher. Die Feld-WM in Indien ist mit Sicherheit das bedeutendste Turnier in den nächsten Monaten und wird wirklich spannend. Dass wir eine Heim-EM austragen und endlich wieder internationales Spitzenhockey im Hockeypark Mönchengladbach sehen dürfen, ist natürlich großartig. Wir erhoffen uns sportlich gesehen, das Ticket für Paris 2024 zu lösen, das Stadion in Mönchengladbach voll zu bekommen und endlich wieder ein Hockeyfest in Deutschland zu feiern.

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