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Fotocredits: FFU Press Agency / Frank Uijlenbroek

Deutschland – Südkorea 4:1 (2:1)

Olympia: Damen beenden das Turnier nach Sieg über Korea auf Rang sieben

08. August 2012

08.08.2012 - Mit einem 4:1-Erfolg (2:1) über Korea hat das deutsche Damenteam am Mittwoch in London die schlechteste Olympia-Platzierung der Verbandsgeschichte vermieden. Wie in Sydney 2000 beendeten die DHB-Damen das olympische Turnier auf dem siebten Rang. Lisa Hahn (2), Fanny Rinne und Marie Mävers trafen für das in allen Belangen überlegene deutsche Team. Es war ein zumindest halbwegs versöhnlicher Abschied für Kapitänin Rinne und Rekord-Nationalspielerin Natascha Keller, die zuvor verkündet hatten, dass es das letzte Match im Nationaltrikot sein solle – das 341. für Rinne, das 425. für Keller.

Bundestrainer Michael Behrmann: „Dann haben wir hier wenigstens das Spiel der Enttäuschten nochmal ordentlich bestritten. Es freut mich, dass dadurch Fanny und Taschi mit einem Sieg ihre Karrieren beenden konnten!“

Fanny Rinne: „Man hat heute gesehen, was wir eigentlich spielen können. Eigentlich sollte mich der Sieg freuen, aber es überwiegt doch der Ärger darüber, dass wir dieses Turnier völlig unnötig gegen die Wand gefahren haben! Man soll ja niemals nie sagen, aber eigentlich steht der Entschluss fest, dass ich jetzt aufhöre. Es hat sich trotz der Strapatzen und des harten WM-Jahrs 2010 mit meiner Nierenentzündung gut angefühlt, noch einmal für London alles hintenan zu stellen, aber noch einmal muss das nicht sein!“

Man merkte, dass sich das DHB-Team viel vorgenommen hatte. Natascha Keller holte schon in der ersten Minute die erste Strafecke. Nur mit viel Glück überstand die koreanische Abwehr die Situation, da Plass und Hasselmann sich beim Nachschussvolley etwas gegenseitig behinderten. Dann jubelten die Deutschen in der zweiten Minute, weil Keller getroffen hatte, aber da war noch eine kurze Fußberührung der Rekord-Nationalspielerin zuvor im Spiel. Das Tor zählte nicht.

In der 5. Minute der erste gefährliche Konter der Koreanerinnen, die bislang im Turnier vorn gut waren, aber viele Gegentore kassierten und daher nicht wie erwartet im Kampf um die Halbfinals eingreifen konnten. In der 6. Minute die verdiente Führung des DHB-Teams. Keller bereitete über links vor, passte auf Stöckel, die direkt auf Lisa Hahn am langen Pfosten weiter leitete. Die UHCerin blockte zum 1:0 ein. Eine umstrittene Strafecke für Korea brachte den Ausgleich. Seul Ki Cheon schlenzte stark rechts oben in den Winkel – unhaltbar für Frank (9.).

Doch das DHB-Team blieb dran, belagerte den Kreis der Koreanerinnen. Fanny Rinne hatte – nach Doppelpass mit Natascha Keller – eine nächste Großchance, scheiterte erst am Keeperin Soo Ji Jang, dann ging ihr Nachschuss links vorbei. Keller prüfte Jang dann erneut. Und weil sich die Berlinerin enorm viel vorgenommen hatte für ihr letztes Match und sehr viel Druck machte in der Offensive, klappte es schon bald mit dem 2:1. Ihr Schuss wurde noch gehalten, Janne Müller-Wielands Nachschuss ebenfalls, dann kam aber Keller nochmal zum Schuss, und jetzt stand Lisa Hahn am rechten Pfosten völlig frei, als der Keeperin der Ball durch die Schienen rutschte. Sie brauchte nur noch einzuschieben (17.).

Fotocredits: worldsportpics.com / Stanislas Brochier

Mit dem erst zweiten Angriff holten sich die Asiatinnen ihre zweite Ecke (19.), die aber gut abgewehrt wurde. Die Koreanerinnen jetzt mit mehr Eigeninitiative. Frank hielt brillant gegen eine von Mandy Haase frei stehen gelassene Stürmerein (20.). Tina Schütze holte die zweite Strafecke für Deutschland, und die dritte hinterher (24.). Nach Kellers Versuch sogar die vierte. Doch Keeperin Jang schließlich mit einer starken Schlägerparade gegen Julia Müllers Schlag.

Ein Foul von Brockmann brachte die nächste Ecke für Korea (30.). Doch der Schlag von Lee strich links am Pfosten vorbei. Stöckel hatte auf der anderen Seite auf Vorarbeit von Lisa Hahn eine gute Chance, aber ihr Direktblock ging rechts am Tor vorbei – die Ex-Raffelbergerin hatte in diesem Turnier wohl die meisten Chancen aller deutschen Stürmerinnen, aber komplett die Seuche am Schläger. Im Gegenangriff mal wieder eine Fehlentscheidung gegen die Deutschen, als Carolina de la Fuente Ecke pfiff, aber Hasselmann den Ball am Schläger und nicht am Fuß hatte. Zum Glück war es eindeutig, und der Videobeweis wiederlegte die Schiedsrichterin.

Im Gegenangriff erneut eine Großchance für Lisa Hahn, die aber an der starken Jang scheiterte. So blieb es bei der knappen 2:1-Führung, die auch hätte höher ausfallen können, denn Chancen waren erneut mehr als genug – elf zu drei Torschüsse aus deutscher Sicht – vorhanden und zum Teil sehr gut herausgespielt worden.

Jong Eun Kim konnte für Korea nach der Pause nicht weiter machen – sie war kurz vor dem Wechsel mit Yvonne Frank zusammengeprallt. Korea gleich mit guter Chance, als eine Flanke knapp am Tor vorbei strich. Hahn bereitete auf der anderen Seite gut vor, Jang wehrte hoch ab und Keller traf mit dem Schläger eine Verteidigerin unabsichtlich am Kopf beim Versuch, den Ball aus der Luft zu nehmen. Immerhin Ecke Nummer fünf für das DHB-Team in der 40. Minute. Kellers Schlag wurde jedoch von der Rausläuferin hoch über das Tor gelenkt.

Doch das DHB-Team blieb weiter vorn dran. Hahn und Stöckel hätten das 3:1 machen müssen (42.) brachten den Ball aber aus kürzester Distanz nicht an der Torfrau vorbei. Sechste Ecke dann von Keller geholt in der 44. Minute: Dieses Mal schlenzte Rinne Millimeter links neben den Pfosten. Haase bügelte auf der anderen Seite einen Abspielfehler von Brockmann aus. Im nächsten Angriff vergaben Otte und Mävers klarste Chancen direkt vor Tor.

Es lief wirklich gut im Aufbau. Immer wieder kamen die Deutschen gut in den Kreis, nur die Chancenverwertung war – wie im gesamten Turnier – katastrophal. Dann musste Torschützin Seul Ki Cheon für zwei Minuten auf die Strafbank (48.). Von der Überzahl hätte das Team beinahe profitiert, als sich Keller gegen zwei Verteidiger durchsetzte, aber knapp links vorbei schoss. Fanny Rinne hatte nach tollem Kombinationsspiel die nächste große Chance, traf aber nicht voll, so dass der Ball hoch über das Tor ging (53.).

Schütze erarbeitete die siebte Ecke (55.), und dann gelang Fanny Rinne in ihrem letzten Länderspiel für das DHB-Team endlich ihr dritter Turniertreffer. Celine Wilde musste kurz danach wegen Stockschlagens auf die Strafbank (56.). Mit ein bisschen Glück überstand man eine kritische Szene im Kreis, als eine Koreanerin am langen Pfosten den Ball nicht im leeren Tor unterbringen konnte.

Wieder in Gleichzahl hatte das DHB-Team weiter mehr vom Spiel, drängte auf die endgültige Entscheidung. Korea brachte keinen kreativen Aufbau zustande, konnte nicht wirklich dagegen halten. Per Videobeweis holte sich das DHB-Team in der 65. Minute einen Freischlag am Kreis, Schütze war sich sicher, dass man Ecke hätte bekommen müssen. Im Konter bekam Korea wegen gefährlichen Spiels von Julia Müller eine weitere Ecke. Doch Frank und Hasselmann klärten in Gemeinschaftsarbeit (66.).

Die Asiatinnen bliesen noch mal zur Schlussoffensive, und Frank konnte sich gegen einen Stecher toll auszeichnen. Im Gegenzug wurde ein Tor von Hahn zurecht nicht gegeben, weil die Stürmerin den Ball mit der falschen Seite ins Tor lenkte. Doch das Tor fiel trotzdem noch, als Keller links unwiderstehlich in den Kreis zog und Mävers auf Höhe Siebenmeterpunkt die Kugel ins Tor blockte (69.). So gab es einen versöhnlichen 4:1-Erfolg im letzten Olympia-Auftritt der Damen in London.

 

Tore:
1:0 Lisa Hahn (6.)
1:1 Seul Ki Cheon (KE, 9.)
2:1 Lisa Hahn (17.)
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3:1 Fanny Rinne (KE, 55.)
4:1 Marie Mävers 69.)

Strafecken:
GER 7 (1 Tor) / KOR 4 (1 Tor)

Grüne Karten:
GER 2 / KOR 1

Schiedsrichter:
Claire Adenot (FRA) / Carolina de la Fuente (ARG)

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