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Olympische Spiele

Mein ganz persönlicher Olympia-Moment: Uschi Schmitz

26. April 2024

Emotionen, Triumphe und unvergessliche Momente – bei den Olympischen Spiele kommen Aktive aus der ganzen Welt zusammen, um die Werte des Sport zu feiern und ihr Bestes geben. In unserer Reportage-Reihe erzählen ehemalige Nationalspielerinnen und -spieler ihre Geschichten. Jede von ihnen beinhaltet einen ganz persönlichen Olympia-Moment, der geprägt war von jahrelanger harter Arbeit, vielen Widerständen und dem Glauben an sich selbst.

Die deutsche Hockey-Ikone erlebte die Olympischen Spiele zwar nie als Aktive, dafür aber in unterschiedlichen Funktionen – und das bis heute.

Als sie von ihren aktiven Zeiten als Spielerin erzählt, muss Uschi Schmitz plötzlich grinsen. „Hockey war früher eine ganz andere Sportart. Eigentlich ist nur gleichgeblieben, dass weiter auf zwei Tore gespielt wird“, erzählt sie lachend. „Wir haben drei, vier mal pro Woche trainiert. Das war es. Heutzutage ist alles viel professioneller. Von Sportwissenschaft, detaillierte Videoauswertungen über Psychologen, Krafttraining und noch viel mehr. Es ist komplett anders.“ Und obwohl ihr Karriereende mittlerweile rund 40 Jahre zurückliegt, ist die 71-Jährige bis heute eine der einflussreichsten Persönlichkeiten im deutschen Sport – allen voran natürlich im Hockey.

Als Aktive schaffte es die gebürtige Hanauerin – damals noch unter ihrem Mädchennamen Keimer - bis in die Nationalmannschaft. Eine Olympia-Teilnahme war ihr allerdings nicht vergönnt, da Damen-Hockey erst seit dem Jahr 1980 olympisch ist. Dafür erlebte sie zahlreiche Turniere aus der zweiten Reihe – und das in mehreren verschiedenen Funktionen. Die Spiele begleitete sie unter anderem als Teilmannschaftsleiterin Hockey, als Generalsekretärin des Deutschen Hockey-Bundes (DHB), als Geschäftsführerin der Service GmbH des Deutschen Turner-Bundes (DTB) sowie in Tokio als Präsidiumsmitglied Leistungssport des DOSB.

„Ganz nah am Sport“, so beschreibt sie „war ich aber als Co-Trainerin bei den Spielen 1984 in Los Angeles.“ Damals coachte sie die Damen-Mannschaft an der Seite von Bundestrainer Wolfgang Strödter. „Bei Olympia dabei zu sein, ist auch für die Teamverantwortlichen das Größte. Für mich galt das natürlich besonders, da ich es als Aktive nicht erleben konnte“, sagt sie.

Die Teilnahme konnten sich Schmitz und ihr Team mit dem Gewinn der Silbermedaille veredeln. „Natürlich haben wir uns sehr darüber gefreut. Am meisten ist mir aber die Eröffnungsfeier in Erinnerung geblieben“, erzählt sie. „In das Stadion einzumarschieren, war wirklich etwas Besonderes. Wir warteten fast vier Stunden in der großen Basketballhalle auf den Einmarsch.Ich werde nie vergessen, wie wir dann durch den Tunnel in das Stadion eingelaufen sind.“

Für den Hockeysport haben Olympische Spiele traditionell eine enorm hohe Bedeutung. „Hockey hat auch für Menschen aus anderen Sportarten eine große Anziehungskraft“, beschreibt Schmitz. Das liege vor allem an der positiven Ausstrahlung der Spielerinnen und Spieler. „Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind nicht so professionalisiert wie in manchen anderen Sportarten. Die Hingabe der Athletinnen und Athleten kann man deshalb sehr gut mit dem olympischen Spirit verbinden.“

Im DHB war Schmitz von 2000 bis 2008 als Vorstandsvorsitzende tätig und davor viele Jahre für den Breitensport verantwortlich. Den Sport verfolgt sie auch heute noch intensiv. „Die sportliche Entwicklung in Deutschland ist wirklich herausragend“, sagt sie. Die Erfolge im Nachwuchsbereich seien bemerkenswert, ebenso wie die erfolgreichen Olympia-Qualifikationen der Damen und Herren: „Das ist alles anderes als eine Selbstverständlichkeit“, betont Schmitz.

Auch im Deutschen Olympischen Sportbund, dessen Präsidium Schmitz bis Ende 2021 angehörte, sei der Stellenwert von Hockey sehr hoch. Genauso wichtig wie der sportliche Erfolg ist mittlerweile aber auch das Thema Gender-Gleichberechtigung. „Die Verbände arbeiten da sehr stark dran“, sagt Schmitz. Bei den Spielen in Paris sollen erstmals genauso viele Frauen wie Männer antreten, wobei die Verteilung im Trainerbereich immer noch deutlich zurück ist. „In Tokio 2021 hatten wir bei allen Nationen nur 13 Prozent Trainerinnen. Da liegt also noch viel Arbeit vor uns“, sagt Schmitz. „Wir haben uns im DHB schon in den 80er- und 90er-Jahren mit mehr Geschlechter-Gleichheit befasst. Die Arbeit in diesem Bereich ist ein ständiges Bemühen, indem man nie nachlassen darf.“

Bei den kommenden Olympischen Spielen wird Schmitz in ihrer Funktion als Mitglied des Executive Board des Europäischen Olympischen Komitees vor Ort sein. Die entscheidende Frage: Was traut sie den deutschen Teams zu? „Ich hoffe natürlich sehr, dass beide Mannschaften die erste Runde überstehen, das Viertelfinale erreichen und es dann auch in den Medaillen-Bereich schaffen. Ich gehe davon aus, dass das machbar ist!“ Wer so viel Hockey-Erfahrung hat wie Uschi Schmitz, kann sich da doch kaum irren.

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